Krisenkompass –
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Litigation PR - ein sinnvolles Zusammenspiel zwischen Recht und Kommunikation
Stehen Unternehmen oder deren Manager vor Gericht, kommt es für sie nicht nur auf den Sieg im Prozess an. Sie müssen auch ihren guten Ruf verteidigen. Gleichzeitig haben die Erfahrungen der letzten großen Wirtschaftsprozesse gezeigt, dass die publizierte Meinung entscheidende Auswirkungen auf den Prozessverlauf und das abschließende Urteil hat...
Litigation PR ist eine Fachdisziplin der Krisenkommunikation, deren Ziel das Kommunikationsmanagement während eines Gerichtsprozesses darstellt, um einen positiven Ausgang des Prozesses für den Mandanten zu unterstützen. Es handelt sich um eine junge Disziplin, die ihre Wurzeln in den USA hat und auf die 1980er Jahre zurück geht. Dabei versucht ein Team aus Rechtsanwälten und Kommunikationsberatern die wesentlichen Schritte des Prozesses medienstrategisch zu planen und damit eine optimale Abstimmung zwischen dem Geschehen vor Gericht und der publizierten Meinung zu gewährleisten. Im Idealfall wird durch die erarbeitete Strategie nichts dem Zufall überlassen, denn schon eine falsche Geste im Gerichtssaal kann ungeplante, negative Auswirkungen haben. Das zeigt am besten die Geschichte des Vorstandssprechers der Deutschen Bank, Josef Ackermann.
Am 27. Oktober 2004 vor Gerichtsbeginn des Mannesmann-Prozesses in Deutschland schoss Oliver Berg von der Deutschen Presse-Agentur ein Foto. Es zeigte den Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Josef Ackermann, im Gespräch mit dem ehemaligen Mannesmann-Vorstandsvorsitzenden Klaus Esser. Das Bild zeigt Ackermann, der mit seinen Fingern das Victory-Zeichen formt. Das Bild wurde an die Bildzentrale der Deutschen Presse-Agentur nach Frankfurt geschickt und war versehen mit der Bildunterschrift "Josef Ackermann scherzt am Mittwoch (21.01.04) vor Prozessbeginn im Düsseldorfer Landesgericht mit dem ehemaligen Mannesmann-Vorstandsvorsitzenden Klaus Esser."
Kaum hatte das Foto die Redaktionen der Welt erreicht, stand rund um den Globus fest: Ackermann verhöhnt das Gericht! Immerhin handelte es sich um eines der aufsehenerregendsten Wirtschaftsstrafverfahren in Deutschland und Gegenstand des Verfahrens waren Prämienzahlungen im Zusammenhang mit der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone. Ackermann gehörte zu den Angeklagten. Am Tag darauf trugen sämtliche Zeitungen Deutschlands das gleiche Gesicht: Das Victory-Zeichen. Das simple Zeichen symbolisierte für die Weltöffentlichkeit Stillosigkeit, Zynismus und Raffgier. Das ist die Arroganz der Mächtigen, hieß es. Die Deutsche Bank reagierte umgehend und versuchte den Medien gegenüber eher mit einer schwachen Notargumentationslinie eine Grundlage für das Handeln Ackermanns zu liefern: er habe Michael Jackson, den weltbekannten Popstar nachgeahmt, der fünf Tage zuvor seinen Gerichtstermin im Prozess wegen Kindesmisshandlung mit einem Victory-Zeichen verlassen habe. Die Strategie, Ackermann mit einem Popstar zu vergleichen, war wenig durchdacht und weit hergeholt. Zwei Wochen später entschuldigte sich Ackermann für den "falschen Eindruck", den er erweckt habe.
Das Ackermann-Foto ist beispielhaft für einen medialen Supergau während eines Gerichtsprozesses, denn die Folge war ein massives Imageproblem der Deutschen Bank und Ackermanns selbst.
Gerichtsprozesse - insbesondere Wirtschaftsprozesse - stehen im Lichte der medialen Öffentlichkeit und werden damit zum unfreiwilligen Showroom für Manager. Die ungewohnte Situation, sich meist in der Defensive zu befinden, führt zu unüberlegten Handlungen, und wie das simple Beispiel zeigt, können Bruchteile von Sekunden zu einer unerwarteten Dynamik führen.
Kompetenzen
Damit ist deutlich, dass es Situationen gibt, in denen es nicht ausreicht, im juristischen Sinne Recht zu haben. Es geht nicht um die Beeinflussung der Gerichte, sondern um die Möglichkeit einer Darstellung der eigenen Argumentationslinie in der Öffentlichkeit. Das mittlerweile durchaus offensive Kommunikationsverhalten der Ankläger führt oft schon weit vor Prozessbeginn zu einer medialen Vorverurteilung der Beschuldigten und Angeklagten. In öffentlichkeitsbetonten Prozessen wird daher die professionelle Begleitung durch Medienarbeit immer wichtiger. Die größten Fehler passieren derzeit allerdings in den Timings. Leider übersehen die Betroffenen und deren Anwälte meist den Zeitpunkt für den Einsatz der einzelnen Kommunikationsinstrumente. Diese sollten im Idealfall so früh wie möglich angewandt werden. Oftmals verschlafen diese den Einstieg und akzeptieren tage- und wochenlange Phasen der einseitigen medialen Vorverurteilung. Die wichtigste Grundregel lautet daher, so früh wie möglich mit der Begleitung durch strategische Kommunikation zu beginnen.
Aufgabe der Medienarbeit ist es zudem, die Emotionen aus der Berichterstattung zu nehmen und die öffentliche Debatte zu versachlichen. Dazu bedarf es journalistischer und juristischer Kompetenz. Die zum Einsatz kommenden Krisenkommunikations-Experten müssen in der Lage sein, hochkomplexe juristische Zusammenhänge medial verwertbar und juristisch korrekt darzustellen.
Mit der wachsenden Bedeutung der medialen Verbreitung von Meinungen ist klar: Das bloße Durchtauchen und der Glaube an die Gerechtigkeit ist mittlerweile zu wenig, um in rechtlichen Auseinandersetzungen erfolgreich zu sein. Eine Analyse der jüngsten Ereignisse in Österreich zeigt uns, dass die mediale Darstellung von Schuld oder Unschuld Strömungen in den Ermittlungsverfahren unterstützt und durch die tägliche Meinungsbildung massiv beeinflusst. Dies wird auch durch jüngste Studien aus Deutschland belegt, aus denen klar hervorgeht, dass Litigation PR Einfluss auf Prozessverlauf und in Strafverfahren auch auf das Strafausmaß und die Frage der Bewährung hat (Vgl Gerhard/Zerback, Universität Mainz).
Die acht Schritte einer erfolgreichen Litigation PR
- Frühzeitige strategische Planung der Kommunikationsstrategie (am besten sofort bei Auftauchen des Verdachts bzw. Konfliktes)
- Transparente, proaktive Kommunikation von Anfang an
- Partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem Mediensystem
- Sofortiges Gegensteuern bei negativer Medienberichterstattung (wenn sachlich möglich)
- Den Standpunkt des Mandanten erklären und vertreten
- Durch permanente Information die mediale Balance in der Berichterstattung sicherstellen
- Medien bei der journalistischen Aufarbeitung des Sachverhaltes unterstützen
- Entschärfung feindseliger, unsachlicher Stimmungen in der Öffentlichkeit
Was kann durch Litigation PR verbessert werden?
- Sensationscharakter dämpfen
- Belastende Argumente nivellieren
- Opfer-Täter-Polarisierung entschärfen
- Emotion aus der Berichterstattung nehmen
- Öffentliche Debatte versachlichen
- Image- und Vertrauensschäden vermeiden
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